Berufsunfähigkeit: Warum Studierende früh vorsorgen sollten

· Witte & Grabert · 4 Min. Lesezeit
Berufsunfähigkeit: Warum Studierende früh vorsorgen sollten

Der letzte Klausurtermin ist geschafft, die ersten Bewerbungen sind raus, und bald steht der erste richtige Arbeitsvertrag im Briefkasten. In dieser Phase denken die wenigsten an Versicherungen – es gibt schließlich dringendere Themen: die erste eigene Wohnung, der neue Job, vielleicht der Umzug nach Berlin. Eine Frage taucht dabei selten auf, obwohl sie gerade jetzt besonders relevant ist: Was passiert, wenn die eigene Arbeitskraft einmal ausfällt, bevor überhaupt etwas angespart werden konnte?

Genau hier setzt die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) an. Sie ersetzt einen Teil des Einkommens, wenn eine Erkrankung oder ein Unfall dazu führt, dass der zuletzt ausgeübte Beruf dauerhaft nicht mehr ausgeübt werden kann. Für Studierende und Berufseinsteiger ist das Thema aus mehreren Gründen interessant – nicht nur wegen des Schutzes selbst, sondern auch wegen des Zeitpunkts des Abschlusses.

Warum das Risiko schon jungen Menschen begegnet

Berufsunfähigkeit wird oft mit Arbeitsunfällen oder schweren körperlichen Erkrankungen assoziiert. Tatsächlich zeigen Auswertungen der Versicherungswirtschaft ein anderes Bild: Psychische Erkrankungen zählen seit Jahren zu den häufigsten Ursachen für eine anerkannte Berufsunfähigkeit, mit einem Anteil von etwa drei von zehn Fällen. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sowie Unfälle folgen auf den weiteren Plätzen. Das bedeutet: Auch wer körperlich fordernde Tätigkeiten meidet, ist nicht automatisch vor dem Risiko geschützt.

Nach Angaben der Versicherungswirtschaft entfällt knapp ein Drittel aller BU-Leistungsfälle auf psychische Erkrankungen – unabhängig von Alter oder Berufsbild.

Für junge Menschen kommt ein weiterer Punkt hinzu: Wer im Studium oder kurz nach dem Berufseinstieg noch keine nennenswerten Vorerkrankungen hat, durchläuft die Gesundheitsprüfung beim Versicherer in der Regel unkomplizierter als jemand, der erst mit 40 oder 50 Jahren einen Vertrag abschließen möchte. Mit den Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Diagnosen ansammeln, die spätere Anträge erschweren oder zu Ausschlüssen einzelner Beschwerdebilder führen können.

Der Zeitpunkt des Abschlusses macht einen Unterschied

Neben der Gesundheitsprüfung spielt auch das Eintrittsalter für die Beitragshöhe eine Rolle: Je früher ein Vertrag abgeschlossen wird, desto länger lässt sich in der Regel ein vergleichsweise günstiger Beitrag über die gesamte Laufzeit festschreiben. Einige Anbieter haben zudem spezielle Einstiegstarife für Studierende und Azubis im Programm, bei denen die Beiträge in den ersten Vertragsjahren reduziert sind und erst später auf das reguläre Niveau steigen. Ob ein solcher Tarif im Einzelfall passt, hängt von der individuellen Situation ab – pauschal empfehlen lässt sich das nicht.

Wichtig ist in jedem Fall, die Gesundheitsfragen im Antrag sorgfältig und wahrheitsgemäß zu beantworten. Unvollständige oder ungenaue Angaben können im Leistungsfall dazu führen, dass der Versicherer die Zahlung verweigert oder den Vertrag anfechtet. Eine unabhängige Beratung vor Antragstellung hilft, den Antrag strukturiert vorzubereiten und mögliche Risikozuschläge oder Ausschlüsse realistisch einzuschätzen.

Worauf Studierende und Berufseinsteiger achten sollten

Bevor eine BU abgeschlossen wird, lohnt sich ein Blick auf einige zentrale Vertragsmerkmale. Dazu gehören insbesondere:

  • Die Höhe der vereinbarten BU-Rente im Verhältnis zum voraussichtlichen späteren Bedarf
  • Eine klare Berufsunfähigkeitsdefinition ohne abstrakte Verweisung auf andere Tätigkeiten
  • Die Möglichkeit, die Rentenhöhe später an Gehaltssteigerungen anzupassen, ohne erneute Gesundheitsfragen
  • Die Dauer der Nachversicherungsgarantie bei bestimmten Lebensereignissen wie Berufseinstieg oder Jobwechsel
  • Ausschlüsse und Wartezeiten, die im Kleingedruckten stehen können

Für Studierende, die sich den Einstieg in eine reguläre BU noch nicht leisten können oder wollen, gibt es als Übergangslösung auch Anwartschaftsversicherungen. Sie sichern den aktuellen Gesundheitszustand ab, ohne dass bereits der volle Beitrag fällig wird – die eigentliche Absicherung beginnt dann zu einem späteren, vorher festgelegten Zeitpunkt. Auch hier gilt: Die passende Lösung unterscheidet sich je nach Studienfach, geplanter Berufslaufbahn und persönlicher Situation.

Ein Sonderfall sind Werkstudierende und Praktikantinnen und Praktikanten: Wer neben dem Studium bereits in einem Betrieb mitarbeitet, hat häufig noch keinen klar umrissenen Zielberuf – die spätere Tätigkeit kann sich von der aktuellen Beschäftigung deutlich unterscheiden. Das ist für den BU-Vertrag selbst meist unproblematisch, sollte aber bei der Wahl der Nachversicherungsoptionen mitgedacht werden, damit sich der Schutz beim Berufseinstieg unkompliziert an die neue berufliche Situation anpassen lässt. Spätestens mit dem ersten unbefristeten Arbeitsvertrag lohnt sich ein erneuter Blick auf die bestehende Absicherung, da sich Einkommen und Lebenshaltungskosten dann meist deutlich verändern.

Gerade weil der BU-Markt unübersichtlich ist und sich Vertragsbedingungen zwischen Anbietern deutlich unterscheiden können, ist ein Vergleich mehrerer Angebote sinnvoll. Als unabhängiger Versicherungsmakler mit Sitz in Berlin schauen wir uns dabei nicht nur den Beitrag an, sondern vor allem die Bedingungen im Kleingedruckten – denn im Leistungsfall zählt am Ende, was im Vertrag tatsächlich steht.

Mehr zu den Grundlagen der Berufsunfähigkeitsversicherung und weiteren Absicherungsmöglichkeiten für den Start ins Berufsleben finden Sie auch im Bereich für Privatkunden auf unserer Website. Für eine individuelle Einschätzung Ihrer Situation nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf.

Sie sind unsicher, ob Ihr Schutz ausreicht? Sprechen Sie uns unverbindlich an – wir beraten Sie als unabhängiger Makler.
Ihr Team von Witte & Grabert

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