Starkregen im Keller: zahlt die Wohngebäudeversicherung?
Es sind oft nur zwanzig Minuten. Ein Sommergewitter, wie es in Berlin inzwischen fast jeden Juli mehrfach vorkommt, lädt innerhalb einer knappen halben Stunde so viel Wasser ab, dass die Straßen zu Bächen werden. Und am Abend steht das Wasser im Keller – zwischen Heizung, Waschmaschine und den Kisten, in denen das halbe Leben lagert.
Kaum ein Thema sorgt nach solchen Unwettern für so viel böses Erwachen wie die Frage: Zahlt da eigentlich die Versicherung? Die ehrliche Antwort lautet in vielen Fällen: Nein – jedenfalls nicht mit dem Schutz, den die meisten haben. Als unabhängiger Versicherungsmakler in Berlin erleben wir bei Witte & Grabert das immer wieder. In diesem Beitrag erklären wir, woran das liegt und was sich 2026 gerade grundlegend ändert.
Der Denkfehler mit der Wohngebäudeversicherung
Fast jeder Hausbesitzer hat eine Wohngebäudeversicherung. Sie deckt Sturm, Hagel, Feuer und Leitungswasser – also den geplatzten Rohrbruch im Haus. Was sie in der Grundform aber gerade nicht abdeckt, sind die sogenannten Elementarschäden: Wasser, das von außen kommt. Genau das passiert bei Starkregen, Überschwemmung, Hochwasser oder Rückstau aus der Kanalisation.
Der Schutz gegen diese Gefahren ist ein eigener Baustein – die Elementarschadenversicherung –, den man aktiv hinzubuchen muss. Und genau hier klafft die Lücke: In Deutschland sind bislang nur rund 54 Prozent aller Wohngebäude überhaupt gegen Naturgefahren versichert. Fast jedes zweite Haus steht bei Starkregen also ohne diesen Schutz da.
Die normale Wohngebäudeversicherung zahlt bei einem Rohrbruch im Haus – aber nicht, wenn das Wasser von außen hereindrückt.
„Bei mir doch nicht“ – der gefährlichste Satz
Der häufigste Einwand, den ich höre: „Ich wohne doch gar nicht am Fluss.“ Das ist der entscheidende Irrtum. Klassisches Hochwasser aus einem übergelaufenen Fluss betrifft nur bestimmte Lagen. Starkregen dagegen kann überall niedergehen – auf dem Berg genauso wie in der Senke. Wenn in kurzer Zeit enorme Wassermengen fallen, ist es egal, ob ein Gewässer in der Nähe ist. Das Wasser sucht sich seinen Weg, und der führt oft durch Kellerfenster und Lichtschächte.
Gerade in dicht bebauten Stadtteilen kann die Kanalisation solche Mengen nicht schnell genug abführen. Dann kommt das Wasser sogar durch die Abflüsse zurück ins Haus – der klassische Rückstau. Auch dieser Schaden ist ausschließlich über den Elementarbaustein gedeckt.
Was sich 2026 ändert: die geplante Opt-out-Pflicht
Weil so viele Häuser ungeschützt sind und die Unwetter zunehmen, arbeitet die Politik an einer Neuregelung. Geplant ist kein Zwang im klassischen Sinne, sondern ein sogenanntes Opt-out-Modell: Künftig soll jede neu abgeschlossene Wohngebäudeversicherung den Elementarschutz automatisch enthalten. Wer ihn nicht möchte, muss aktiv widersprechen.
Beschlossen ist das noch nicht, und die Details sind offen. Für Sie heißt das aber zweierlei: Erstens wird das Thema seinen Preis haben, sobald es zur Regel wird – wer heute schon abschließt, sichert sich oft günstigere Konditionen. Zweitens sollten Sie nicht auf ein Gesetz warten, das vielleicht erst in Jahren greift, während das nächste Gewitter schon für kommende Woche angekündigt ist.
Was kostet der Schutz – und lohnt er sich?
Die gute Nachricht: Der Elementarbaustein ist für die meisten Häuser erstaunlich bezahlbar. Für ein Einfamilienhaus in einer normalen Risikozone liegt der Aufschlag häufig zwischen 60 und 300 Euro im Jahr – zusätzlich zur bestehenden Wohngebäudeversicherung. Dem gegenüber steht ein Schaden, der bei einem vollgelaufenen Keller schnell fünfstellig wird und im Extremfall die Bausubstanz betrifft.
Wie hoch der Beitrag genau ausfällt, hängt von der Lage Ihres Hauses ab. Versicherer teilen Adressen in Gefahrenklassen ein. In den allermeisten Berliner Lagen ist der Schutz problemlos und günstig zu bekommen – nur in wenigen, stark gefährdeten Gebieten wird es teurer oder aufwendiger.
Unser Rat als Makler
Nehmen Sie einmal Ihre Wohngebäudeversicherung zur Hand und prüfen Sie einen einzigen Punkt: Steht dort das Wort „Elementar“ oder „weitere Naturgefahren“? Wenn nicht, haben Sie die Lücke, um die es hier geht. Das lässt sich meist mit einem kurzen Zusatz zum bestehenden Vertrag schließen – Sie brauchen also keine komplett neue Police.
Wir bei Witte & Grabert sind ein unabhängiger Makler, an keinen Versicherer gebunden, und prüfen mit Ihnen, ob Ihr Haus richtig eingestuft ist und welcher Anbieter für Ihre Lage am besten passt. Einen Überblick für Privatkunden finden Sie in unserem Bereich für Privatkunden. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Schutz ausreicht: Sprechen Sie uns unverbindlich an – über unsere Kontaktseite oder telefonisch. Am besten, bevor das nächste Gewitter kommt.
Bleiben Sie gut abgesichert,
Ihr Team von Witte & Grabert



