Tierkrankenversicherung: Wenn der Tierarzt teuer wird

· Witte & Grabert · 4 Min. Lesezeit
Tierkrankenversicherung: Wenn der Tierarzt teuer wird

Der Kreuzbandriss kam beim ganz normalen Spaziergang im Grunewald. Der Hund jaulte kurz auf, humpelte, und schon am nächsten Tag stand die Diagnose beim Tierarzt fest: Operation notwendig, Kostenvoranschlag im vierstelligen Bereich. Viele Halterinnen und Halter erleben genau diesen Moment – und merken erst dann, dass die Tierarztrechnung nicht der Krankenkasse, sondern allein ihnen selbst gehört. Eine Tierkrankenversicherung kann in solchen Situationen finanziell entlasten.

Ob Hund, Katze oder anderes Haustier: Wer sich für ein Tier entscheidet, übernimmt Verantwortung für dessen gesundheitliche Versorgung über viele Jahre hinweg. Chronische Erkrankungen, Unfälle oder altersbedingte Beschwerden lassen sich nicht planen. Eine Tierkrankenversicherung ersetzt nicht die Entscheidung für eine bestimmte Behandlung, kann aber dabei helfen, diese Entscheidung unabhängig vom eigenen Kontostand zu treffen.

Warum Tierarztkosten schnell aus dem Ruder laufen

Anders als in der menschlichen Medizin gibt es für Hunde, Katzen und andere Haustiere keine gesetzliche Krankenversicherung. Was ein Tierarzt berechnen darf, regelt die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Je nach Aufwand, Uhrzeit und Komplexität der Behandlung dürfen Praxen den 1,5-fachen bis 4-fachen GOT-Satz abrechnen. Eine Operation, eine mehrtägige stationäre Behandlung oder eine Chemotherapie kann dadurch mehrere Tausend Euro kosten – Beträge, die aus der Haushaltskasse selten eingeplant sind.

Eine Tierkrankenversicherung übernimmt je nach Tarif die Kosten für Tierarztbesuche, Medikamente, Operationen oder auch alternative Heilmethoden bis zur vereinbarten Erstattungsgrenze. Sie ersetzt damit keine verantwortungsvolle Tierhaltung, kann aber verhindern, dass eine medizinische Entscheidung zur finanziellen Frage wird.

OP-Schutz oder Vollschutz: Die gängigen Tarifarten

Am Markt haben sich im Wesentlichen zwei Tarifarten etabliert. Reine OP-Versicherungen decken ausschließlich operative Eingriffe ab und sind entsprechend günstiger kalkuliert. Vollschutz-Tarife schließen zusätzlich ambulante Behandlungen, Impfungen, Vorsorge oder Zahnbehandlungen ein und liegen preislich entsprechend höher. Wie hoch der monatliche Beitrag ausfällt, hängt von Tierart, Rasse, Alter und gewähltem Leistungsumfang ab.

  • Reine OP-Versicherung für Katzen: häufig im Bereich von rund 12 bis 18 Euro monatlich
  • Reine OP-Versicherung für Hunde: häufig im Bereich von rund 15 bis 25 Euro monatlich
  • Vollschutz-Tarife: je nach Tier, Rasse und Alter von rund 22 Euro bis über 100 Euro monatlich
  • Bei älteren Tieren steigen die Beiträge gegenüber dem Welpen- oder Kittenalter spürbar an

Ein Vergleich der Tarife lohnt sich, weil die Leistungsbausteine unterschiedlich zugeschnitten sind – etwa bei der Erstattung nach dem 3- oder 4-fachen GOT-Satz, bei Zuschüssen für Physiotherapie oder bei der Übernahme von Zahnbehandlungen.

Worauf Sie beim Abschluss achten sollten

Wie bei jeder Versicherung stecken die entscheidenden Details im Kleingedruckten. Vor Vertragsbeginn gilt in der Regel eine Wartezeit von etwa drei bis sechs Monaten, bevor die Versicherung tatsächlich leistet. Bereits bestehende Erkrankungen werden häufig per Ausschluss von der Erstattung ausgenommen – ein Grund, weshalb sich ein früher Abschluss, idealerweise schon im Welpen- oder Kittenalter, in der Praxis oft anbietet. Viele Tarife sehen zudem eine Selbstbeteiligung vor, etwa in Höhe von 10 bis 20 Prozent je Schadenfall.

Eine Kreuzband-Operation beim Hund oder eine Diabetesbehandlung bei der Katze kann sich über Jahre hinziehen – entscheidend ist deshalb nicht nur der Preis eines Tarifs, sondern welche Leistungen im Ernstfall tatsächlich greifen.

Prüfen Sie außerdem, ob Vorsorgeuntersuchungen, Zahnbehandlungen oder alternative Heilmethoden wie Homöopathie und Physiotherapie eingeschlossen sind, und ob es eine Höchstgrenze pro Jahr oder pro Behandlungsfall gibt. Auch die Frage, ob die Tierarztwahl frei bleibt, ist für viele Halterinnen und Halter relevant.

Ein weiterer Punkt betrifft die Beitragsentwicklung über die Lebenszeit des Tieres. Manche Tarife kalkulieren den Beitrag nach dem Eintrittsalter und halten ihn danach weitgehend stabil, andere passen ihn regelmäßig an das aktuelle Alter des Tieres an. Gerade bei älteren Hunden und Katzen, bei denen medizinischer Bedarf eher zunimmt, lohnt sich ein genauer Blick auf die Beitragsstaffel im Vertrag – und darauf, ob die Versicherung eine ordentliche Kündigung durch den Versicherer im Einzelfall ausschließt.

Tierkrankenversicherung und Tierhalterhaftpflicht: zwei unterschiedliche Bausteine

In der Beratung erleben wir häufig, dass beide Versicherungen verwechselt werden. Die Tierkrankenversicherung übernimmt Behandlungskosten für das eigene Tier. Die Tierhalterhaftpflichtversicherung springt dagegen ein, wenn Ihr Hund einen Unfall verursacht und Dritte zu Schaden kommen – in Berlin ist sie für Hundehalterinnen und Hundehalter sogar gesetzlich vorgeschrieben. Beide Policen ergänzen sich, decken aber grundverschiedene Risiken ab und sollten getrennt betrachtet werden.

Für Privatpersonen empfiehlt sich ein Blick auf das eigene Gesamtbild der Absicherung, nicht nur auf ein einzelnes Produkt. Neben der Tierhalterhaftpflicht lohnt es sich häufig, auch die private Haftpflichtversicherung im Haushalt zu überprüfen, da Zuständigkeiten je nach Schadenart unterschiedlich geregelt sind. Einen Überblick über weitere Bausteine für private Haushalte finden Sie auf unserer Seite für Privatkunden.

Als unabhängiger Versicherungsmakler in Berlin vergleichen wir für Sie verschiedene Anbieter und Tarifbausteine, statt Ihnen einen einzelnen Tarif vorzugeben. Nehmen Sie über unsere Kontaktseite Verbindung zu uns auf, wenn Sie Ihre bestehende Absicherung rund um Ihr Haustier oder Ihren Haushalt einmal durchsprechen möchten.

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Ihr Team von Witte & Grabert